Klara. Unsere Tochter sollte am 28.12.2006 in einem Geburtshaus geboren werden.
So war unsere Vorstellung.
Unser Kind hatte jedoch andere Pläne mit uns. Tatsächlich kam Klara Lotta am 23.10.2006 per Notfall-Kaiserschnitt im Uniklinikum in unsere Welt. Sie war viel zu klein und niemand konnte sagen warum. Sie wäre stabil, doch wir sollten vorerst nur von Stunde zu Stunde denken. Ein langer und schwieriger Weg würde vor uns liegen.
An ihrem vierten Lebenstag wurde die Fehlbildung ihrer Speiseröhre operiert. Ein Tag, an den ich keine Erinnerung mehr habe.
An ihrem neunten Lebenstag bekamen wir die Diagnose der genetischen Untersuchung. Freie Trisomie 18.
Dazu die einfühlende aber sachliche Erklärung, dass unser Kind im Prinzip keine Lebenserwartung hätte. Das Einzige was wir tun könnten, so sagte man uns, wäre sie zu lieben, für sie dazusein, sie auf ihrem Weg zu begleiten und im richtigen Augenblick loszulassen.
Und diesen Weg sind wir gegangen.
Am 04.11.2006, nach nur 12 Lebenstagen war Klaras Aufgabe in dieser Welt erfüllt.
Ich wurde mit unendlichen Gefühlen konfrontiert, in einer Bandbreite und Intensität, wie ich sie nie für möglich gehalten hätte. Diese Texte, Figuren und Fotos sind während der ersten Monate meiner Trauerarbeit entstanden. Es ist meine Art und Weise mein Erleben und Empfinden zu bearbeiten und zu verarbeiten.
Was ich in dem vergangenen Jahr unter anderem gelernt habe, ist dass jeder Mensch seine ganz eigene Art hat mit so einem Erlebnis umzugehen. Es gibt kein richtig und kein falsch. Und die Zeit ist dabei relativ. Alles hat seine Zeit und alles braucht seine Zeit.
Es lohnt sich den Weg mit der Trauer und durch die Trauer bewusst zu gehen und intensiv wahrzunehmen um dadurch auch die „guten Dinge“ entdecken zu können, die dafür sorgen, dass ein Schicksal das Leben auch bereichern kann.
Wir haben einen großen Teil des Weges geschafft, doch er ist noch lange nicht zu Ende. Inzwischen haben harte „Arbeit“ und sicherlich auch die Zeit dafür gesorgt, dass wir wieder mit mehr Sonne im Gesicht und einer reizvollen Neugier in die Zukunft blicken können.
(Buchauszug) Astrid Spengler
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